Definitiv einer der wichtigsten Artikel für das Fahrfrei-Konzept: Worauf achtest du bei der Suche nach dem geeigneten Objekt der Begierde? Es spielt dabei keine Rolle, in welchem Preisbereich du dich bewegen möchtest. Die Grundregeln gelten immer. Natürlich bleibt zu sagen, dass es viele schwarze Schafe gibt und sowohl die Hauptuntersuchung als auch Scheckheft gefälscht sein können. Sei immer skeptisch. Mit den folgenden Faktoren sowie den generellen Regeln zum Autokauf gewinnst du aber einen guten Gesamteindruck. Die Punkte sind nach Wichtigkeit sortiert, wobei wir natürlich mit dem wichtigsten beginnen.


Zuverlässigkeit und Marktpotential:

Dieses Thema wird im gesonderten Artikel Wie man zuverlässige und beliebte Modelle identifiziert ausführlich behandelt. Außerdem findest du dazu zur Erleichterung unsere Top Five in den verschiedenen Kategorien. Somit wird auch das Hauptanliegen dieser Plattform nochmal klar: Wir unterstützen bei der Auswahl der richtigen Modelle.

Trotzdem hier kurz ausgeführt: Kaufe keine unzuverlässigen Autos! Nochmal: Kaufe keine unzuverlässigen Autos! Und zur Sicherheit nochmal: Kaufe keine unzuverlässigen Autos! Egal ob du nach dem Fahrfrei-Prinzip handeln willst oder generell einfach nur ein Auto kaufen möchtest: Ein Motor- oder Getriebeschaden, spinnende Elektronik oder TÜV Mängel in Unmengen bedeuten das KO für ein sinnvolles wirtschaftliches Handeln und macht das Autofahren teuer. Es gibt massenhaft zuverlässige Kilometerfresser mit soliden Komponenten und wenig Schwachstellen und Kinderkrankheiten. Warum eine Gurke kaufen, wenn die Auswahl an tollen Autos so groß ist? Hier musst du die Spreu vom Weizen trennen, damit dich keine Überraschung erwartet.

Eine gute Nachricht: Sofern dein Geschmack nicht völlig inkompatibel mit der großen Masse ist, wirst du Autos finden, die sowohl dir sehr gut gefallen, als auch am Markt gut angenommen werden. Ein Auto kann noch so gut alle anderen hier genannten Kriterien erfüllen – wenn es eine schwierige Nische bedient oder eine spezielle Optik oder Farbe hat, kann es schwer werden. Auch gut: Generell sind zuverlässige Autos durchaus beliebt und gesucht. Hier passen unsere beiden Ziele also sehr gut zusammen.

 

Einkaufspreis:

Jeder Händler weiß: Der Gewinn steckt immer im Einkaufspreis. Gleichzeitig steckt auch hier der Spielraum für Reparaturen, Versicherung etc. drin. Absolut entscheidend ist also, nicht zu teuer einzukaufen. Dein Verkaufspreis muss später attraktiv sein. Sei extrem geduldig und warte auf Schnäppchen. Kaufe nicht mit einem unwohlen oder mittelprächtigen Gefühl, sondern nur wenn du weißt, du hast ein Schnäppchen gemacht. Woran du das erkennst? Abgesehen davon, dass das Auto alle oder möglichst viele der der unten genannten Kriterien erfüllt, steht es auf Seite 1 (preislich sortiert) der Gebrauchtwagenbörsen. Mit ein wenig Geduld bekommst du ein Gefühl dafür, ob ein Preis gut oder schlecht ist. Du parkst interessante Inserate und beobachtest die Rotation auf deinem Parkplatz. So bekommst du ein Gefühl für einen guten Preis. Kaufe im Zweifel aber lieber ein etwas teureres Auto, welches die untenstehenden Kriterien möglichst vollständig erfüllt, als das günstigste, aber ungepflegte Auto. Das spart Zeit und Geld.

Oft stellt sich die Frage: Kaufe ich lieber vom Händler oder von privat? Abgesehen von der Garantie- und Mängel Thematik ist an dieser Stelle vor allem die Frage, wo finde ich mehr Schnäppchen? Klare Antwort, die es dir leicht macht: Es ist völlig egal! Es gibt auf beiden Seiten günstige und teure Angebote. Beim Händler gilt: Auch er hatte mal einen Einkaufspreis. War dieser sehr gut, kannst du ein Schnäppchen machen.

Beispiel: Kleinere, freie Händler kaufen/ersteigern gerne von großen Marken gebrauchte „Gesamtpakete“ – also ein Kontingent an Autos, die sich der Markenhändler aufgrund des Alters oder der Kilometerleistung nicht mehr auf den Hof stellen möchte. Diese Autos wurden dem ursprünglichen Besitzer in der Regel bereits extrem günstig abgekauft bzw. in Zahlung genommen. Somit verdient der freie Händler schon daran, wenn er diese Autos schnell (also günstig) an den nächsten Interessenten verkauft. Er bekommt zudem oft Autos, die jahrelang von treuen Kunden in der Markenwerkstatt zur Inspektion gebracht wurden.

Manchmal wissen die markenoffenen Händler auch gar nicht, was für Schätzchen sie auf dem Hof stehen haben. Das kann z.B. eine besondere Edition, limitierte Auflage oder eine besondere Ausstattung sein. Oder er schätzt den Preis nicht richtig ein, da er nur die Preislisten der Händler („Händler-Einkaufspreis“) kennt. Diese Preise können sehr weit weg vom tatsächlich zu erzielenden Preis liegen, der durch die reine Nachfrage/Beliebtheit bestimmt wird. Insbesondere bei seltenen Modellen oder Sportwägen ist der Marktwert oft deutlich höher, als der Händler-Einkaufspreis vermuten lässt. Das waren nun einige Beispiele, in denen du also ins Spiel kommst.

Bei Privatpersonen ist die Preisspanne groß. Es gibt natürlich die für uns völlig uninteressanten Angebote, bei denen der Verkäufer keinen Druck verspürt und einfach mal teuer inseriert. Motto: Man kann es ja mal probieren. Andererseits gibt es aber auch Personen, die aufgrund von Zeit- oder Geldnot extrem schnell verkaufen müssen (Beispiel: neues Auto steht schon parat). Oder sie haben weder Lust noch Interesse, sich mit dem Markt zu beschäftigen und inserieren einfach sehr (zu) günstig. Das hat oft den Grund, dass sie sich bereits vom Markenhändler ein Angebot zur Inzahlungnahme haben machen lassen und schockiert waren über das niedrige Angebot. Also sind sie froh über jeden Euro, den sie mehr bekommen, ohne den möglichen Marktpreis zu kennen. Insbesondere bei Modellen mit bestimmten Ausstattungspaketen, Sondereditionen, viel Zubehör etc. kann das extrem lohnenswert sein, da die Händler diese Punkte bei der Inzahlungnahme nur selten anrechnen. Natürlich musst du hier einer der ersten sein, der dann durchklingelt und auf der Matte steht, um zuzuschlagen.

Du brauchst also deine Suchkriterien in den Gebrauchtwagenbörsen hier nicht einschränken. Schau dir alles an, was der Markt hergibt. Du wirst erstaunt sein, was du mit Geduld alles findest.

 

TÜV (Hauptuntersuchung):

Wenn du nicht zu den Bastlern gehörst, die Autos gerne herrichten, dann kaufe Autos nur mit gültiger Hauptuntersuchungs-Plakette. Dieser sollte noch 18 bis 24 Monate gültig sein. Wenn du das Auto dann z.B. 6 Monate fährst, hast du noch genügend Spielraum, um das Auto ohne nochmal erneuerten TÜV zu inserieren. Egal in welcher Preisklasse ist das DAS Qualitätsmerkmal für ein verkehrssicheres Auto und das beste Verkaufsargument überhaupt. Damit stichst du einen Großteil deiner Mitkonkurrenten beim Verkauf, denn viele Leute verkaufen ihr Auto, weil sie glauben oder wissen, dass es Probleme mit dem TÜV geben wird.

Wenn du gerne schraubst, kannst du auch Schnäppchen ohne TÜV machen. Hier stecken aber oft negative Überraschungen drin, die beim Kauf nicht gleich offensichtlich sind. Abgesehen davon, dass du dann sehr viel Zeit investieren musst, summieren sich die Kosten für Reparaturen sehr schnell.

In den Gebrauchtwagenbörsen kannst du einschränken, ob du Autos mit gültiger Hauptuntersuchung finden möchtest. Andererseits führt dieser Filter dazu, dass du Schnäppchen übersehen könntest, denn oft ist auch ein freier Händler oder eine Privatperson noch dazu bereit, vor dem Verkauf den TÜV zu erneuern.

 

Kilometerstand:

Hier gehen die Meinungen weit auseinander: Für manche ist ein Auto nach 100.000km an seinem Lebensende angekommen, für andere noch lange nicht. Klare Aussage: In unsere Auswahl kommen nur zuverlässige Autos. Das heißt auch, dass bei 100.000km der Motor gerade mal eingefahren sein sollte. 200.000km und mehr sind heutzutage absolut kein Problem mehr. Das Problem ist rein psychologisch. Es gibt Grenzen die beim Inserieren nicht überschritten werden sollten. Du kannst auch grob kalkulieren, wie viele Kilometer du voraussichtlich mit deinem Schnäppchen zurücklegen wirst. Inseriere, bevor die psychologische Grenze erreicht ist. Man kann sagen, dass es bis 150.000km einen großen Interessentenkreis gibt. Über 200.000km wird es schwer, außer man bewegt sich in bestimmten Nischen. Auch hier hängt natürlich viel vom Alter des Autos ab.

Um einen Anhaltspunkt zu bieten – gute psychologische Grenzen (und Stufen bei den Gebrauchtwagenbörsen) sind erfahrungsgemäß wie folgt:

  • Kauf bei 40.000km – Verkauf bis 49.000km
  • Kauf bei 70.000km – Verkauf bis 79.000km
  • Kauf bei 100.000km – Verkauf bis 124.000km
  • Kauf bei 135.000km – Verkauf bis 149.000km
  • Kauf bei 160.000km – Verkauf bis 169.000km
  • Kauf bei 180.000km – Verkauf bis 195.000km

In diesen Stufen habt ihr die Möglichkeit, das Auto 9.000km bis 24.000km ohne nennenswerten Wertverlust zu fahren. Das reicht je nach persönlicher Fahrleistung für einige Monate bis zu ca. 2 Jahre. Bedenke, dass Interessenten bei der Suche auf Gebrauchtwagenbörsen ihre psychologische Grenze eingeben. Wenn jemand bis zur Laufleistung von 150.000km sucht, wird er dein Auto finden, sofern du es mit 149.000km inserierst. Inserierst du erst mit 151.000km, schränkst du den Interessentenkreis extrem ein, rutschst also in die nächste der oben genannten Stufen und somit auch schon in eine andere Preiskategorie.

 

Verschleißteile wie Reifen, Bremsen, Zahnriemen, Batterie:

Sind die Verschleißteile in gutem Zustand, sparst du dir Zeit, Aufwand und Geld. Ein Auto mit guter Bereifung und Bremsen ist verkehrssicher, besteht mit höherer Wahrscheinlichkeit auch die nächste Hauptuntersuchung und macht ein hervorragendes Bild beim Verkauf. Sei dir im Klaren darüber, dass bereits ein Satz neuer Reifen je nach Größe mit 300 bis 1.000€ zu Buche schlagen kann. Ebenso ein Zahnriemenwechsel. Damit wäre dein Spielraum aufgebraucht. Kaufe keine Autos mit Wartungsstau!

 

Scheckheft und Historie:

Mit einem vollständig gepflegten Scheckheft hast und schaffst du Vertrauen. Je älter das Auto, desto weniger relevant. Aber generell immer ein tolles Verkaufsargument. Im Idealfall gibt es weitere Rechnungen und HU-Berichte, die den Kilometerstand zum jeweiligen Zeitpunkt bestätigen. So entsteht ein komplettes Bild über die Fahrzeughistorie. Im höheren Preissegment und unter der Voraussetzung, dass das Auto in der selben (Marken) Werkstatt gewartet wurde, kann auch ein Anruf bei der Werkstatt nicht schaden. Sollte ein Scheckheft fehlen oder unvollständig sein, wirst du dich beim Verkauf mit kritischen Fragen der Interessenten auseinander setzen müssen.

 

Optischer Zustand:

Wie bei vielen anderen Dingen: Der erste Eindruck zählt! Dreck, Flecken, Dellen und Kratzer, ausgeblichene Leuchten oder Plastikteile, vollgemüllter Fußraum oder verfaulte Herbstblätter im Motorraum: Geht gar nicht! Hier liegt aber auch eine Chance: Autos optisch wieder herrichten kann sich lohnen. Mit wenig Aufwand und etwas Fleiß kann ein Auto im neuen Glanz erstrahlen.

Rost ist ein Killer und maximal im absoluten Low Budget Bereich oder für erfahrene Schrauber akzeptabel. Dann möglichst nicht an tragenden Teilen wie Schweller, sondern maximal an austauschbaren Teilen wie Türen.

 

Vorbesitzer:

Ob zum Bewerten des Fahrzeugzustands aussagekräftig oder nicht: Sind viele Vorbesitzer eingetragen, schreckt das Kaufinteressenten ab und hat Einfluss auf den Wert. Der Klassiker „Rentner-Auto aus erster Hand“ zieht nach wie vor sehr gut. Autos mit einem bis zwei Vorbesitzern sind in der Regel immer wieder sehr gut zu verkaufen. Sind es schon drei, bedenke dass du als Käufer nach der Zulassung bereits der vierte Eintrag im Fahrzeugbrief bist. Hier wird es dann langsam schwierig. Trotzdem gilt: Ein Auto mit einer Handvoll Vorbesitzer kann in besserem Zustand sein, als ein erste-Hand Auto mit Wartungsstau. Es ist somit kein KO-Kriterium! Erst recht nicht bei Oldtimern.

Immer einen Versuch wert: Schnapp die Fahrzeugunterlagen und bitte den Händler darum, alles in Ruhe durchsehen zu können. Oft kannst du heutzutage mit Hilfe der Unterlagen (und deines Smartphones) den Vorbesitzer ausfindig machen und ihn ausfragen. Die meisten reagieren darauf sehr verständnisvoll und sind auskunftsbereit. Hier ist die Frage, warum das Auto verkauft wurde, natürlich die wichtigste. Natürlich ist nicht jeder ehrlich. Aber es ist ein weiterer Faktor, um die Chancen zu erhöhen, einen guten Griff zu machen.

 

Inspektion:

Im Bordcomputer sollte kein Lämpchen oder Hinweis auf eine anstehende Inspektion oder zu tauschende Teile aufleuchten. Beim einen Hersteller heißt es Wartung A-C, beim anderen Inspektion I-III oder ähnlich: Bei fast allen Herstellern sieht der werksseitige Wartungsplan vor, dass abhängig von Alter und Laufzeit der Umfang der anstehenden Inspektionen schwankt. Das kann im günstigsten Fall vom einfachen Ölwechsel bis hin zu einem teuren Zahnriemenwechsel reichen. Die Checklisten der Hersteller umfassen dann oft 5 bis 50 Punkte und liegen selbst in einer freien Werkstatt zwischen 150 und 1.000€. Man kann zudem getrost davon ausgehen, dass Werkstätten oft noch irgendetwas Zusätzliches finden, auf das sie hinweisen oder zum Wechsel drängen. Deswegen ist es viel Wert, wenn das Auto vor nicht allzu langer Zeit einer Werkstatt war. So kann man 6-18 Monate Zeit gewinnen, in der man nicht in zusätzliche Inspektionen investieren muss. Und man ist somit natürlich sicher, dass man erstmal sorgenfrei fahren kann, weil der Motor frisches Öl hat, die Filter gewechselt sind und das Auto generell durchgecheckt wurde.

Du kannst die Taktik aber auch anders auslegen. Eine fehlende Inspektion ist definitiv kein KO-Kriterium. Wenn du dich gerne mit der Technik auseinandersetzt, kannst du schnell herausarbeiten, worauf es ankommt. Achte generell darauf, dass keine extrem teuren Tätigkeiten fällig sind. Das sind zum Beispiel:

  • Zahnriemenwechsel
  • Bremsanlage
  • Zündkerzenwechsel (je nach Modell und Zylinderanzahl)

Möchtest du dir also aufgrund einer fehlenden Inspektion ein Schnäppchen nicht durch die Lappen gehen lassen, dann finde eine Werkstatt, der du vertrauen kannst, und die nur die angewiesenen Arbeiten ausführt. Prüfe selbst, was wirklich notwendig ist. Ab einem bestimmten Alter wartet man Autos bedarfsorientiert und wirtschaftlich. Ein 50 Punkte Check bei einem 3.000€ Auto ist meistens völlig überdimensioniert. Oft reicht ein Öl- und Filterwechsel für 150€. Achte darauf, dass die Werkstatt einen Stempel ins Scheckheft macht und den Bordcomputer zurücksetzt. Hebe die Rechnung als Nachweis gut auf. Und mache dich nicht verrückt, wenn das Inspektionslämpchen schon leuchtet: Das Auto geht deswegen nicht gleich kaputt. Die Inspektion 1-2 Monate zu überziehen, ist je nach Zustand und Kilometerleistung kein Verbrechen und verschafft dir Zeit.

Die Vorteile bei dieser Taktik:

  • Du kannst beim Kauf besser im Preis verhandeln
  • Du kannst selbst steuern wann der richtige Zeitpunkt für eine Inspektion gekommen ist, z.B. 1-2 Monate vor dem Verkauf. Somit erhält der Käufer ein Auto mit frischer Inspektion. Pluspunkt für dich.

Beachtest du einen Großteil der Punkte, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass du deine Kosten auf ein Minimum oder sogar auf Null reduzierst.

 


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