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Warum Kurzstrecken ungesund für dich und dein Auto sind

Warum Kurzstrecken ungesund für dich und dein Auto sind

Warum Kurzstrecken ungesund für dich und dein Auto sind

1. Der Motor verschleißt kalt schneller:

Ein Verbrennungsmotor arbeitet am effektivsten, wenn er die volle Betriebstemperatur erreicht hat. Dann schmiert das Motoröl die Komponenten am besten. Beim Kaltstart kann für wenige Momente keine optimale Schmierung ermöglicht werden und Kraftstoff kann sich an den kalten Zylinderwänden niederschlagen und mit dem Öl vermischen. Der Teufelskreis: Darunter leidet die Schmierung und mit jedem Kaltstart wird es schlimmer.

Der Grund, warum so viele ausrangierte Taxis auch mit 300.000km bis 500.000km immer noch problemlos laufen: Der Motor ist fast immer betriebswarm. Fährt man also jeden Tag nur wenige Kilometer, wird der Motor nie richtig warm, sondern bewegt sich immer im erhöhten Verschleißmodus. Natürlich lässt sich nie genau oder pauschal sagen, wie lange ein Motor bis zu einem kapitalen Schaden hält. Aber rein statistisch wird der Taxifahrer mit einem gleichen Motor deutlich mehr Kilometer schadenfrei fahren können, als ein Brötchenholer. Das ist auch der Grund, warum ein viele Jahre altes Auto mit sehr wenigen Kilometern auf dem Tacho nicht unbedingt die beste Wahl bei der Gebrauchtwagensuche sein muss.

 

2. Es dauert länger, als man denkt:

Um den unbedarften Autofahrer nicht zu sehr zu verunsichern, ist die Kühlwasseranzeige im Kombiinstrument gedämpft, das heißt sie steht bereits in der Mitte („betriebswarm“), wenn das Wasser 60-70 Grad Celsius erreicht hat. Das Wasser erwärmt sich recht schnell. Somit denkt der Laie, dass bereits nach 5 Minuten die Betriebstemperatur erreicht ist. Das Motoröl benötigt aber sehr viel mehr Zeit. Nur sehr wenige Autos, wie zum Beispiel sportliche Autos mit leistungsfähigen Motoren, haben eine Öltemperaturanzeige.

Man muss sich vor Augen führen: Das Kühlwasser in einem Motorkreislauf muss für einen optimalen Betrieb auf ca. 90-110 Grad Celsius erwärmt werden. Ebenso das Motoröl. In den ersten Minuten und Kilometern kommt es im Inneren des Motors zu erhöhtem Verschleiß. Als Anhaltspunkt gilt: Der gesamte Vorgang des Warmfahrens dauert je nach Außentemperatur, Motorgröße, Flüssigkeitsmenge und Fahrprofil ungefähr 10 bis 20 Minuten oder 10 bis 20 Kilometer. Kleinere Motoren werden schneller warm, da weniger Material und Flüssigkeiten vorhanden sind.

 

3. Nicht nur der Motor leidet:

Das hat sicher jeder schon gesehen: Wasser welches aus dem Auspuff läuft. Nicht nur der Motor bleibt lauwarm, auch die Peripherie leidet mit. Insbesondere die Abgasanlage kann schneller rosten, da das Kondenswasser nicht verdampft, sondern im Abgastrakt verbleibt und das Metall angreift.

Aber auch im Getriebe befindet sich Öl, welches warm am Optimum seiner Leistungsfähigkeit ist. Rußpartikelfilter, die sich bei hohen Abgastemperaturen selbst regenerieren würden, können verstopfen wenn diese nicht erreicht werden. Die Autobatterie wird auf der Kurzstrecke nicht oder kaum geladen.

 

4. Kraftstoffverbrauch und Umwelt:

Das berühmte Brötchenholen ist nur die zugespitzte Variante des Kurzstreckenfahrens. Es gibt Erledigungen, die man wirklich nicht mit dem Auto erledigen muss. Wenn der Weg zu Fuß überschaubar ist, sollte man nicht vergessen, dass der Motor in der Warmlaufphase auch deutlich mehr Kraftstoff benötigt und zudem somit also auch mehr Schadstoffe ausstößt.

 

Handlungsempfehlung:

Was bleibt am Ende? Nur das schlechte Gewissen, nicht anders tun zu können? Man hat doch keine Wahl! Man wird deswegen natürlich nicht umziehen, um 15 weitere Kilometer zum Arbeitsplatz in Kauf zu nehmen. Der Kompromiss liegt also irgendwo dazwischen.

Zuerst einmal gilt: Natürlich gibt es bei der unglaublichen Vielzahl an Modellen und Motoren eine breite Spanne an Belastbarkeit. Manch einer steckt auch Kurzstrecken über viele tausend Kilometer problemlos weg. Also Augen auf bei der Modellwahl!

Um den Vergleich mit dem Taxifahrer und dem Brötchenholer nochmal zu bemühen: Während der Taxifahrer viele Hunderttausend Kilometer in kurzer Zeit fahren kann, würde der Brötchenholer vermutlich Jahrzehnte brauchen, um ähnliche Laufleistungen zu erreichen. Ein gut konzipierter und auf hohe Laufleistungen ausgelegter Motor kann also auch mit 100.000km noch kerngesund sein, auch wenn diese durch viele Kurzstrecken zusammengefahren wurden. Man sollte sich also auch nicht verrückt machen lassen.

Man kann dem Problem halbwegs wirtschaftlich entgegen wirken, indem man wenigstens ab und zu mal „durchheizt“. Mal eine Autobahnetappe, mal der Ausflug zu einem Ziel zu dem man „schon immer mal“ wieder hin wollte. Ab und zu auch mal rennen, sonst rostet man ein. Das gilt für den Menschen wie fürs Auto. Und auch ein Mensch will nicht mitten in der Nacht aus dem Bett springen und einen Marathon laufen. Das heißt im Umkehrschluss, dass Motorverschleiß reduziert werden kann, indem man in der Warmlaufphase schonend fährt. Also Drehzahl langsam steigern und nicht direkt die Vollgasorgie auf der Autobahn starten.

Wer glaubt, dass warmlaufen lassen im Stand eine gute Lösung ist, der irrt. Abgesehen davon, dass es verboten ist, tut es dem Motor nicht gut, nur im Leerlauf zu drehen. Es dauert dann noch länger bis er auf Temperatur kommt. Also bitte umgehend und schonend losfahren, um die Temperatur schnell zu steigern.

Lassen sich viele Kurzstrecken nicht vermeiden, schadet es nicht, das Wechselintervall des Motoröls zu verkürzen, um der unter Punkt 1 genannten Verdünnung des Öls entgegen zu wirken.

Die finale Lösung des Problems liegt in der nahen Zukunft. Bei allen kritischen Stimmen, die es zum Hybrid oder Elektroauto gibt: Hier erwartet uns ein klarer Vorteil: Dem Elektromotor ist eine Kurzstrecke relativ egal. Zwar haben die Außen- und Betriebstemperaturen immer Einflüsse auf Komponenten – insbesondere auf die Akkus – aber es zeichnet sich ab, dass das längst nicht so kritisch ist wie beim Verbrennungsmotor.

 

 

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1 Kommentar bisher

8 Anzeichen, woran du erkennst, dass du autoverrückt bist – Fahrfrei.de Veröffentlicht am8:32 am - Jan 7, 2019

[…] Du hast ein ganz schlechtes Gewissen, wenn du keine 5 Kilometer am Stück fährst. Damit dein Auto regelmäßig Betriebstemperatur erreicht, fährst du also kilometerlange Umwege. Denn du weißt: Kurzstrecken sind schlecht für deinen Motor. […]