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Das perfekte Imitat: Xenon-Look Leuchtmittel im Test

Das perfekte Imitat: Xenon-Look Leuchtmittel im Test

Das perfekte Imitat: Xenon-Look Leuchtmittel im Test

1. Licht-Reise

Ist man vor einigen Jahren noch zu unseren Nachbarn in Frankreich gefahren, stellte man fest dass es dort oft üblich war, mit gelben Frontscheinwerfern zu fahren. Die Mode änderte sich auch dort. Mit Aufkommen der Xenon Scheinwerfer in den 90er Jahren spaltete sich auch die Autofahrernation in Fans des blau wirkenden Lichts und in die Genervten, die sich davon geblendet fühl(t)en.

Fast 30 Jahre später fährt immer noch ein großer Teil der Autos auf unseren Straßen mit Halogen Beleuchtung durch die Nacht. Schlimmer noch: Durch neue, meist aufpreispflichtige High Tech Lichter wie Matrix LED– und Laserlicht werden herkömmliche Scheinwerfer nicht mehr weiterentwickelt und bieten neben langweiliger Optik auch keine bessere Ausleuchtung als früher.

Xenon-Scheinwerfer kann man nicht ohne weiteres nachrüsten. Um eine solche Umrüstung gesetzeskonform auszuführen, benötigt man neben den passenden Scheinwerfern und Hochvolt-Zündgeräten (Xenon = Gasentladungslampen mit Xenon-Gasfüllung) auch eine automatische Leuchtweitenregulierung und eine Scheinwerferreinigungsanlage. Es stellt sich also die Frage, ob man eine modernere Optik auch einfacher und günstiger erreichen kann. Desweiteren werden wir erläutern, ob damit auch die Ausleuchtung besser werden kann.

 

2. Ist das Licht wirklich blau?

Man kennt das vielleicht von Filmen: Während „warme“ Szenen wie ein Sonnenuntergang oftmals mit stark gelblich wirkenden Filtern gedreht oder nachbearbeitet werden, wirken Szenen in Räumen oder bei widrigen Wetterbedingungen eher bläulich kühl. Mit diesen Stilmitteln kann die Stimmung der Bilder beeinflusst werden. Die sogenannte Farbtemperatur wird in der Einheit Kelvin gemessen.

In den 90er Jahren waren die damals ganz neu entwickelten Xenon Scheinwerfer noch mit Gasentladungslampen ausgestattet, die je nach Hersteller bei einer Lichtfarbe von 5000k bis 6000k lag. Das empfindet man nachts im Vergleich mit herkömmlichen Glühbirnen als sehr bläulich. Es ist aber der Wert, der dem Tageslicht entspricht. Im Laufe der Zeit entschärften die Hersteller diese Werte auf durchschnittlich ca. 4500k. Zum Vergleich: Herkömmliche Glühlampen liegen im Bereich von 3000k bis 3500k.

 

3. Die Testkandidaten

Zur Wahl stehen aufgrund der vergleichsweise guten Rezensionen zwei Leuchtmittel mit dem Sockel H7. Es gibt sie natürlich in diversen Sockelvarianten (H1, H11, H4, H8 usw…) wobei die Auswahl bei den Gread Lights größer ist.

Alternativen wären noch die Philips Diamond Vision 5000K* und die Osram Cool Blue Intense 4500k* – da erstere kein E-Prüfzeichen hat und somit nicht für den Verkehr zugelassen ist, scheidet sie aber aus. Nicht zugelassene Bauteile haben am Fahrzeug nichts zu suchen. Um es trotzdem vorweg zu nehmen: Es bleibt festzuhalten, dass sie in der Praxis sowieso nicht blauer als die Mtec Superwhite sind. Die Osram Cool Blue Intense hingegen ist zwar eine solide, hochwertige Wahl – nur leider in der Realität weit entfernt von jeglichem Xenon-Look.

 

3.1 Gread Lights

Die Gread Lights* kommen in einer unscheinbaren, kleinen Verpackung und tragen um den Glaskörper einen praktischen Schutz. Sie sind mit einer silbernen Spitze versehen und natürlich blau eingefärbt. Die Verarbeitung sieht hochwertig aus, offensichtliche Nachteile zu einem herkömmlichen H7 Leuchtmittel sind nicht zu erkennen.

 

 

3.2 Mtec Superwhite

Die Mtec* kommen in einer großen Plastikbox, aus der sie etwas hakelig zu entfernen sind. Es ist umso mehr darauf zu achten, den Glaskörper nicht zu berühren, damit keine Fettrückstände daran hängen bleiben. Ansonsten gibt es verarbeitungstechnisch keine Unterschiede zwischen den hier fotografierten Leuchtmitteln.

 

Das verwendete Auto ist ein BMW 3er der E46 Baureihe aus dem Baujahr 2004. Dieser ist aus mehreren Gründen ein geeignetes Testobjekt:

  • Serienmäßige Xenon Scheinwerfer dieser Modellreihe haben sehr häufig ein ausgeprägtes Problem mit blind werdenden Reflektorlinsen. Somit ist der Kauf eines Modells mit Xenon oder die Nachrüstung mit gebrauchten Scheinwerfern immer ein (teures) teures Risiko.
  • BMW-typisch ist der Wechsel der Leuchtmittel innerhalb von Sekunden zu erledigen. Der Wechsel geht also komfortabel vonstatten.
  • Für das Modell gibt es eine Reihe an Aftermarket Scheinwerfern, um von den herkömmlichen Reflektor Scheinwerfern auf Xenon-Optik (inklusive der BMW-typischen Leuchtringe) umzurüsten.

 

4. Das Testergebnis

Preislich nehmen sich beide kaum etwas, insofern kann der Fokus direkt auf das optische Ergebnis gelegt werden. Legt man beide Kandidaten unmittelbar nebeneinander, sieht man auf den ersten Blick: Der Glaskörper der Mtec ist minimal dicker als der der Gread Lights. Ihre blaue Färbung ist minimal stärker und der Glaskörper ist im Durchmesser ein wenig größer.

Rechts Mtec, links Gread Lights. In der Mitte zum Vergleich ein herkömmliches H7 Leuchtmittel:

im Detail: Links Mtec, rechts Gread Lights:

4.1 Vergleich zu herkömmlichen Leuchtmittel

Zuerst der Aha-Effekt: Hier sieht man ganz deutlich die völlig andere Lichtfarbe im Vergleich. Beide Testkandidaten strahlen mit sehr weißem Licht, Unterschiede sind auf den ersten Blick kaum auszumachen. Auf den Fotos spielt es keine Rolle, ob parallel zum herkömmlichen Leuchtmittel eine Gread Lights oder eine Mtec verbaut ist: Für die Kamera ist der Unterschied nicht einzufangen. Die Wahrnehmung der absoluten Helligkeit im Vergleich zeigt, dass weder die Mtec noch die Gread Lights im Vergleich weniger Lichtoutput generieren. Beide wirken an einer weißen Wand ähnlich hell und lassen somit erstmal nicht erwarten, dass hier nur ein Teelicht die Straße beleuchtet.

4.2 Die generelle Ausleuchtung der Straße

Die blau eingefärbten Lampen bieten kaum einen Vorteil in der Leuchtkraft. Trotzdem ist die Ausleuchtung gleichmäßig und zufriedenstellend. Bei trockenen Wetterbedingungen empfindet man das Licht durch die sehr weiß reflektierenden Verkehrsschilder als angenehm hell. Bei Nässe hat man den Eindruck, das weißere Licht wird von der Straße etwas mehr verschluckt. Mehr dazu im Kapitel Optik versus Sichtweite versus Haltbarkeit.

 

4.3 Gread Lights und Mtec im Vergleich

Auf dem folgenden Bild ist auf der Fahrerseite die Mtec verbaut und auf der Beifahrerseite die Gread Lights. Da die Kamera diese Nuancen nur schwer einfangen kann, muss zusätzlich in Worten wiedergegeben werden, dass die Gread Lights minimal gelberes Licht abgeben, was besonders auffällt wenn man vor einer weißen Wand steht. Beim Blick auf die Scheinwerfer ist der Unterschied auch für das bloße Auge kaum zu sehen. Auf dem Foto ist sichtbar, dass die Mtec auf der Fahrerseite einen leicht bläulicheren Stich hat:

 

4.4 Reflektor versus Linse

Um eine zum Verwechseln ähnliche Optik zu Xenonscheinwerfern zu erreichen, wurden im nächsten Schritt die klassischen Halogen Reflektorscheinwerfer gegen Aftermarket Scheinwerfer mit Ellipsoid DE-Linse getauscht.

Das Licht wird damit stark gebündelt, wodurch eine sehr deutliche Hell/Dunkel Grenze zu sehen ist. Streulicht nach oben wird im Vergleich zum herkömmlichen Reflektor reduziert. Zusammen mit den Mtec ergibt sich nun ein optisch sehr harmonisches Bild. Tatsächlich ist kaum noch ein Unterschied zum Original Xenon auszumachen.

Vergleich herkömmliches Leuchtmittel (links) versus Mtec (rechts):

 

Klare Hell/Dunkel Grenze mit regenbogenartiger Kante bei der Mtec:

 

4.5 Fazit:

Beide Kandidaten werben auf der Packung mit zu hohen Kelvin Werten. Die Gread Lights rühmen sich mit utopischen 8500k, während die Mtec mit 5500k schon eher an der Wahrheit liegen. Real dürften beide zwischen 4300 und 4600k liegen, was tatsächlich den heutzutage verbauten Xenon Gasentladungslampen entspricht. Versprechen gehalten!

Die Ausleuchtung ist vergleichbar mit herkömmlichen Leuchtmitteln mit warmer Lichtfarbe. Sie ist allerdings nicht vergleichbar mit Markenprodukten, die eine höhere Lichtausbeute versprechen (und halten).

Auch wenn es auf den Bildern schwer zu vermitteln ist: Da sich beide Kandidaten bezüglich der Ausleuchtung nichts schenken und die Mtec Superwhite* eine minimal kältere Lichtfarbe hat, ist sie somit unser Xenon-Look Testsieger.

Tip: Nach dem Tausch von Leuchtmitteln, insbesondere aber nach dem Tausch von kompletten Scheinwerfern sollten diese von eine Fachwerkstatt korrekt eingestellt werden.

 

5. Optik versus Sichtweite versus Haltbarkeit

Man darf sich nichts vormachen: Bei der Entscheidung für ein Leuchtmittel muss man Kompromisse eingehen. Mehr Sichtweite und Xenon-nahe Optik mit langer Lebensdauer schließen sich aus. Die genannten Produkte erzeugen nicht ausreichend Lumen, um einen Sicherheitsgewinn zu spüren. Auf trockener Straße bieten sie eine gute Ausleuchtung, die Standard-Leuchtmitteln entspricht. Bei Nässe sind sie aufgrund der Kombination kaltweißer Lichtfarbe und verhältnismäßig niedriger Leuchtkraft im Vergleich zu Gasentladungslampen (Xenon) im Nachteil. Auch im direkten Vergleich zu herkömmlichen Glühlampen empfinden einige Fahrer das kaltweiße Licht bei Nässe als mäßig. Wer hier die maximale Leistung möchte, sollte (zumindest im Winterhalbjahr) auf klassische Markenware setzen, die erhöhte Leuchtkraft verspricht. Das wären Produkte wie Osram Nightbreaker Laser H7*  oder Philips Xtreme Vison H7*. Gleichzeitig muss dann aber auf den Xenon-Look verzichtet werden. Denn das trotzdem beworbene „weißere“ Licht kommt nicht ansatzweise an die Xenon-Optik der getesteten Produkte heran. Ob Mehr-Licht oder ob Xenon-Look – beide bringen einen weiteren Nachteil mit sich: Ihre Haltedauer kann im Vergleich zu herkömmlichen Leuchtmitteln verkürzt sein. Da nehmen sich „Markenprodukt“ und die hier getesteten Produkte nichts. Bei manchen Fahrern halten sie ewig, bei anderen wiederum sind sie nach wenigen Monaten defekt. Hier sollte man aber nicht zu viel Gewicht auf die Rezensionen legen, da man nicht weiß, wie die Kunden mit der Ware umgehen. Ich bin die Mtec Superwhite zum Beispiel in manch einem Auto schon über viele Jahre gefahren, bisher ohne einen einzigen Defekt.

 

6. Serienmäßige Sicherheit wäre teuer

Wer einmal in einem wirklich modernen Fahrzeug mit (dynamischem) LED Licht unterwegs war, wird einen Unterschied wie Tag und Nacht feststellen. Betrachtet man ausschließlich den Sicherheitsaspekt, sollten die Hersteller uns Kunden doch etwas Gutes tun, indem sie ausschließlich diese tollen Lösungen verbauen? Aber das ist dem Kunden besonders in kleineren Fahrzeugklassen nicht zu vermitteln. Ein Multi-Beam-Matrix-LED Scheinwerfer mit hübschem integrierten Tagfahrlicht und aufwändiger Kühlung kostet in der Entwicklung und Herstellung ein vielfaches eines einfachen Halogen Scheinwerfers. In der Serienausstattung wäre ein solches Auto also deutlich teurer. Natürlich kommt im Unfall- oder Defektfall dazu, dass die (selten mögliche) Reparatur oder der ganze Austausch eines solchen Scheinwerfers ebenfalls ein Vielfaches kostet. Ein einzelner dieser komplexen Lichtkunstwerke kostet gut und gerne mal zwei Wochen vier-Sterne Mallorca All Inclusive. Auch hier ist also ein Kompromiss notwendig: Teuer erkaufte perfekte Ausleuchtung oder lebenslang günstiger Halogen-Standard. Oft bieten inzwischen bezahlbare Xenon-Scheinwerfer einen guten Mittelweg: Denn bei vielen Gebrauchtwagen ab der Mittelklasse bekommt man diesen Sicherheitsgewinn nahezu ohne Aufpreis, sofern man bei der Suche dieses Ausstattungsmerkmal mit einbezieht.

 

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